Die Schüler und Lehrer der Profilklasse „Technik“ der Oberschule Am Sonnenberg in Berge konnten sich jetzt über eine Spende der Meurer-Stiftung freuen. Mit dem Geld wird die Ausstattung für den Robotic-Unterricht ergänzt. Stiftungsvorsitzende Christel Meurer übergab die Spende persönlich.

Dass Maschinen und Roboter immer wieder gezielt programmiert werden müssen, damit sie das tun, was für den Produktionsprozess wichtig ist, ist Christel Meurer aus ihrer langjährigen Tätigkeit „im Großen“ als Geschäftsführerin der Fürstenauer Firma Meurer-Verpackungsmaschinen hinlänglich vertraut. Dass sie genau diese Ausbildungs- und Arbeitsvorgänge jetzt auch „im Kleinen“ in der Profilklasse Technik in der Oberschule in Berge erlebte, begeisterte sie.
In ihrer Rolle als Vorsitzende des Vorstands der Franz-Josef und Christel Meurer-Stiftung stattete sie jetzt der Schule einen Besuch ab und überzeugte sich selbst davon, dass die aktuelle Spende in Höhe von 2000 Euro wirkungsvoll umgesetzt wird.

Firmenbesuche werden eingeplant

„Uns ist es sehr wichtig, dass die Schüler im Unterricht einen möglichst engen Praxisbezug erfahren und dadurch einen anderen Zugang zur Ausbildung haben“, betont Urs Goebeler, der als Fachlehrer zusammen mit seinen Kollegen Paul Klemme und Hermann Schnieders das Profil „Technik“ der neunten und zehnten Klassen an der Oberschule betreut. Daher würde die Schule neben dem theoretischen Unterricht auch immer wieder Firmenbesuche in den Technikunterricht einbeziehen, erklärte Goebeler. Beispielsweise sei mit dem Ausbildungsleiter der Firma Meurer Verpackungsmaschinen aus Fürstenau, Thomas Lücke, vereinbart, dass pro Halbjahr ein Firmenbesuch der Profilklassen in dem Betrieb stattfindet. „So kann der Ausbildungsleiter die Schüler schon mal kennenlernen, die sich vielleicht später einmal dort bewerben“., betonnt Urs Goebeler. Ein besonderer Effekt: Die Schüler würden bei den Firmenbesuchen dann auch die Maschinen in Echtbetrieb sehen, die der Schule von der Firma vorher in Form einer Videopräsentation für den Unterricht präsentiert werden. So würde es realistische Vorlagen geben, die dann mit den neuen Robotic-Kästen nachgebaut würden, erklärt Urs Goebeler. Gebaut werden die verschiedensten technischen Anlagen, von Förderbändern, Sortiermaschinen, Speichertischen und Robotern aus hochwertigen Bausätzen, die pro Kasten rund 500 Euro kosten.

Defekter Roboter wird neu programmiert

Wie eine Technikstunde ablaufen kann, führte Lehrer Paul Klemme zusammen mit den Schülern Carlo Brandt, Florian Laubisch und Jannis Wilbers vor. Auf der Testfläche stand ein Roboter, der hinsichtlich seiner Fahrfunktionen einem haushaltsüblichen Saugroboter gleicht. Doch der hatte ein Problem: zwar funktionierte der im vorderen Maschinenbereich angebrachte Ultraschallsensor reibungslos und der „Saugroboter“ berührte die Wände mit der Front nicht, das Heck touchierte die Wände mangels eines nicht intakten Sensors aber jedes Mal. Kurzerhand nahmen sich die Schüler den Roboter vor, schlossen ihn an einem PC an, optimierten die Programmierung und führten das reparierte Gerät – nicht ohne Stolz – den Besuchern vor.

„Wir sehen unsere Schüler ganz besonders auch aus dem Blickwinkel technischer Begabungen und wollen auch die Schüler besonders unterstützen, die ansonsten wenig Anregungen aus ihrem häuslichen Umfeld erhalten“ erklärt Schulleiter Gerd Beckmann. Die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten durch die Bausätze und die hohen Anteile des Prozesstrainings für die Schüler, kämen bei denen sehr gut an, so Beckmann.

„Gutes Beispiel für nachhaltige Projekte“

„Ich halte es für den absolut richtigen Weg, die Talente der Kinder in den MINT-Fächern zu fördern“, betont Christel Meurer. Die Fächer, zu denen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gehören, seien in der technischen Praxis von besonderer Bedeutung. Das Projekt entspreche der Vision der Stiftung: „Unser Ziel ist es, die Stiftungsmittel möglichst nachhaltig einzusetzen, das kann ich hier deutlich erkennen“, so die Vorsitzende des Vorstandes.

Anteil von Frauen in technischen Berufen

Übrigens führe die Schule zum Ende des achten Schuljahres eine Potentialanalyse in den Klassen durch, um die Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schuler herauszufinden, so Gerd Beckmann. Wenn sich herausstelle, dass eine technische Begabung vorhanden sei, schließe sich ein Elterngespräch an und gemeinsam werde beraten und entschieden, welches Profil dann das richtige für die Schüler sei. Ihr Ziel sei es, gerade auch Mädchen an die Technikklassen heranzuführen, erklärten Urs Goebeler und Gerd Beckmann. Dafür gebe es unter anderem „Schnupperkurse“, in denen die Mädchen in einem „geschützten Rahmen“ ohne Kommentare der „Jungen“ einfach mal technische Aufgabenstellungen ausprobieren können. Das Ziel zu verfolgen, den Anteil von Frauen in technischen Berufen zu erhöhen, hörte Christel Meurer gern. Sie dürfte es gut nachvollziehen können, dass technische Berufe für Frauen sehr interessant sein können, hat sie doch vor fast 45 Jahren zusammen mit ihrem Mann Franz-Josef in einer kleinen Werkstatt in Fürstenau zusammen angefangen, Verpackungsmaschinen zu bauen und war zuletzt Geschäftsführerin der daraus erwachsenen Meurer-Gruppe, die in Fürstenau und Freren ansässig ist und mit rund 700 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern der Region zählt.